Gr 10, Teil 2: von Saint-Jean-Pied-de-Port bis Gabas

 
Es geht weiter mit unserem Reisebericht der Pyrenäenüberquerung vom Atlantik zum Mittelmeer, dem GR 10, und zwar dem Teil 2 unseres "großen Abenteuers".

Auf dem Col d´Ayous, auf 2180 müNN, dem höchsten Punkt unserer GR10-Wanderung im Juli 2017. Der See vorne links ist der Lac Gentau (hier haben wir eine sehr stürmische Nacht in unserem Zelt verbracht), der Gipfel links im Hintergrund ist der Pic du Midi (2.884 müNN) und der See hinten rechts ist der Lac Bersau.

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(Panorama aus 6 Hochformatbildern)


Wer den ersten Teil unseres Reiseberichtes schon gelesen hat, der weiß, dass jetzt die Gesamtstatistik des zweiten GR 10-Teilabschnittes, die uns unser GPS-Gerät aufgezeichnet hat, kommt:

Gesamtstatistik GR10 Teil 2: (von Saint-Jean-Pied-de-Port bis Gabas):

Gelaufene Distanz: 135,7 km
Anstieg: 8199 m
Abstieg: 7240 m
Zeit in Bewegung: 52:11 h
Pausenzeit: 29:07 h

Hier kommt das gelaufene Höhenprofil:
Hoehenprofil 2017 07

08.07.2017, Anreisetag:

Endlich geht es weiter mit unserem Abenteuer!

Nachdem wir letztes Jahr mit der Bahn gefahren sind und wir mehr als 15 Stunden unterwegs waren, sind wir dieses Mal geflogen. Von Nürnberg nach Paris und von dort weiter nach Biarritz. Das ist zwar etwas teurer, geht aber bedeutend schneller.

Am Flughafen Biarritz wurden wir von einem Shuttleservice (expressbourricot.com) abgeholt und zusammen mit vier anderen Mitreisenden nach Saint-Jean-Pied-de-Port gebracht. Das ist eine preiswerte Möglichkeit, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln am Reisetag nicht mehr ankommen kann.
Jean-François hat uns diesen Tipp gegeben, wir wurden nicht enttäuscht!

In Saint-Jean-Pied-de-Port angekommen ging es gleich zu Jean-François (www.donamaria.fr), bei dem wir wieder ein Zimmer für die erste Nacht gebucht hatten. 

Es war wieder sehr schön, dort sein zu dürfen, man kann diese liebenswerte Pension (und auch Person!) einfach nur empfehlen!

Danke Jean-François, es war mal wieder ein sehr unterhaltsamer Abend mit Dir und Deinen anderen Gästen.

Bild rechts:
Es ist kurz nach 18 Uhr: Heike vor dem Flughafen in Biarritz. Wir warten auf den Shuttleservice.
Unsere Rucksäcke haben wir mit jeweils einer Rolle Frischhaltefolie eingepackt. Sieht vielleicht etwas seltsam aus, hat sich aber bestens bewährt.

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09.07.2017: 10. Wandertag: St. Jean-Pied-de-Port bis Kaskoleta

Statistik: 
Datum: 09.07.2017
Beginn: 07:54 Uhr
Ende: 17:03 Uhr
gelaufene Distanz: 16,1 km
Anstieg: 1.009 m
Abstieg: 560 m
Zeit in Bewegung: 05:12 h
Pausenzeit: 03:55 h

Nach einem tollen Frühstück verabschieden wir uns von Jean-François, der uns noch hartgekochte Eier eingepackt hat.
 
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(v.l.n.r.: Axel, Jean-François Rabeux und Heike)
 

Im Ort decken wir uns noch mit Salami vom baskischen Schwein, Käse und Brot ein, dann geht es endlich los.

Es ist sehr warm bei Sonnenschein mit vereinzelten Wolken. Axel geht deswegen noch in ein Geschäft für Wanderer und kauft einen Sonnenhut.

Die ersten 3 km bis nach Caro sind mit nur wenigen Höhenmetern noch ein gemütlicher Spaziergang.

Danach ist der erste kleine Berg zu erklimmen, der Col d‘ Handiague. Wir merken, dass wir noch nicht eingelaufen sind und auch an die Rucksäcke müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Wir sind dankbar für jede Wolke, die uns wenigstens kurzzeitig etwas Schatten spendet.

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Unterwegs begegnen wir einem amerikanischen Ehepaar, Pam und Curtis, die den GR 10 durchgehend laufen. Wir unterhalten uns kurz und laufen dann weiter.
Oben angekommen machen wir erstmal eine kleine Rast im Schatten einer Baumgruppe. Es ist sehr warm und schwül, unsere Shirts und Strümpfe hängen wir zum trocknen in den Ästen der Bäume und auf den Wanderstöcken auf.
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Beim auspacken unseres Proviants lächeln uns die Eier, die uns Jean-François zubereitet hat, fröhlich an. Jean-François hat ihnen Gesichter aufgemalt. Wir freuen uns sehr über diese liebe Geste. An dieser Stelle nochmals: Vielen Dank für alles, Jean-François!

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Erholt und gestärkt gehen wir weiter, der Weg führt über Serpentinen abwärts nach Esterençuby und ist teilweise sehr steil, aber zum Glück nicht allzu weit. Unterwegs finden wir eine Quelle, an der wir uns noch kurz erfrischen.

Im Ort angekommen kehren wir in einem am Fluss (Nive de Béhérobie) liegenden Gasthaus ein.

Wir belohnen uns, Heike mit leckerem Apfelkuchen mit einer doppelten Portion Schlagsahne und natürlich Kaffee dazu, Axel gibt sich mit einem Spezi zufrieden.

Wir kühlen unsere strapazierten Füße in dem kleinen Fluss, der neben dem Gasthaus fließt: welch eine Wohltat!

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Nach einer Weile kommen auch Pam und Curtis, die wir unterwegs schon einmal getroffen haben, hier an. Sie erzählen uns, dass sie schon seit einigen Monaten unterwegs seien. Sie haben beide in Amerika ihre Jobs gekündigt und ihren Besitz verkauft, um für mindestens 5 Jahre auf Wanderschaft zu gehen. Heike muss schlucken und beneidet die beiden sehr.

Eigentlich war geplant, heute bis Esterençuby zu laufen und dort zu übernachten. Da es aber noch recht früh ist, beschließen wir doch noch die 3,9 km und 384 Höhenmeter bis Kaskoleta zu laufen. Wir verabschieden uns von Pam und Curtis und gehen weiter, die beiden wollen noch weiter laufen als bis Kaskoleta. Wir rechnen nicht damit, dass wir die beiden wiedersehen.

Der Weg ist oft sehr steil und meist geteert, die Hitze kommt jetzt von oben und von unten. Am Ziel kehren wir in der Gîte (gîte d'étape) Kaskoleta ein. Die Gîte (gîte d'étape de Kaskoleta) sieht von weitem sehr einladend aus, sie hat eine tolle Lage mit einem wunderschönen Panoramablick.
Die Gîte selbst ist sehr einfach, was ja kein Problem ist, leider ist sie auch etwas heruntergekommen und auch schmuddelig. Mit Abendessen und Frühstück, beides sehr einfach, kostet eine Übernachtung (incl. Bierchen zum Abendessen ) für 2 Personen zusammen 78 Euro.
Außer uns beiden übernachten noch ein 20-jähriger Franzose aus Bordeaux und Luc aus Belgien dort, mit denen wir abends noch zusammensitzen und uns austauschen. Es ist immer wieder toll und interessant, welche Leute man auf dem Weg trifft.

Leider ziehen gegen Abends viele Wolken auf und mit den erhofften Sonnenuntergangsbildern wird es nichts. Dennoch machen wir noch ein paar Bilder von oberhalb der Gîte.

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Im Zimmer haben wir eine Stechmückenplage und gehen erstmal auf „Safari“. Nachts gewittert es ordentlich. Axel sagt, er hätte die ganze Nacht kein Auge zugemacht, das Gewitter hat er aber trotzdem verschlafen :)

 


10.07.2017: 11. Wandertag:  Kaskoleta bis Col Bagargiak

Statistik: 
Datum: 10.07.2017
Beginn: 08:55 Uhr
Ende: 18:59 Uhr
gelaufene Distanz: 20,2 km
Anstieg: 1.441 m
Abstieg: 651 m
Zeit in Bewegung: 06:53 h
Pausenzeit: 03:10 h

 
Als wir starten ist es neblig, wir hoffen aber, dass wir noch eine bessere Sicht bekommen.

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Der Weg führt uns zunächst über eine breitere Straße bis zum ersten Aufstieg zum Col sur I’lturramburu (820m).
Wir kommen an vielen Schafen vorbei, die friedlich und langsam ihres Weges ziehen und sich von uns nicht wirklich stören lassen.
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Danach geht es ein ordentliches Stück auf einem breiten Weg wieder bergab: Oh je, das wissen wir ja nun schon sehr gut, denn wenn es auf dem GR 10 bergab geht, dann geht es auch schon bald wieder recht steil bergauf...

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Wir müssen einen schmalen, sehr steilen Pfad, der durch den Regen recht glitschig ist, und oft durch hüfthohes Farn führt, aufsteigen. Nach etwa 3/4 des Aufstiegs benötigen wir erstmal eine Pause.
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Wir staunen und sind auch etwas beschämt, als uns dort ein Holländer recht zügig überholt, hat er doch außer seinem Rucksack auch noch sein Mountainbike geschultert.

 

Wir gehen weiter über den Col d’ Irau (1008m) zum Sommet d’Occabé (1456m). Auf diese Strecke freuen wir uns sehr, soll sie doch so wunderschöne Aussichten haben.

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Leider ist es sehr neblig, dazu regnet es gelegentlich, die Sichtweite beträgt zeitweise nur ca. 80-100 Meter, so dass wir leider gar keine Aussicht haben. Wirklich sehr schade.

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Man kann aber immer an allem auch etwas Positives finden. So legen wir ein gutes Tempo vor und kommen zügig voran. Was aber nicht wirklich ein Trost für die entgangene Schönheit der Landschaft ist. Aber so ist das nun mal, das gehört halt auch dazu.
 

Es folgt der lange und stellenweise sehr steile Abstieg bis zu Chalet Pedro (990m), der durch die Nässe sehr rutschig und somit anstrengend ist.
Wir laufen an einem "Zauberwald" vorbei und schießen einige Fotos.
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Im Chalet Pedro kehren wir auf einen Kaffee (Heike) und ein Spezi (Axel) ein, wollen aber noch weiter, hinauf zum Col Bagargiak (1327m).

Der Wirt rät uns, bei diesem Wetter nicht die steilen Pfade des GR 10, sondern die Straße zu benutzen. Die Strecke ist zwar etwas länger, aber nicht so rutschig wie die aufgeweichten und recht steilen Pfade durch den Wald. Dort muss man, um die 337 Höhenmeter zu überwinden, insgesamt fast 600 Meter bergauf wandern, da es ein ordentliches Stück auch wieder bergab geht, der steilste Kilometer beeindruckt zudem mit einer durchschnittlichen Steigung von 11,5%.

Zumal der Regen jetzt auch stärker wird, entschließen wir uns, den Rat des Wirtes anzunehmen. Wir wandern immer auf der geteerten Straße und irgendwann begegnen wir diesen Kühen, denen der Regen nichts auszumachen scheint.


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Wir kommen ziemlich nass am Col Bagargiak an und suchen uns eine Unterkunft im Feriendorf Iraty. Wir kommen in einem Chalet mit 10 Betten unter, dort übernachten noch 5 weitere Wanderer.

Nachdem wir uns getrocknet und eingerichtet haben, gehen wir zum Abendessen ins Restaurant. Dort treffen wir auch Luc, den Belgier, wieder. Er war schon lange vor uns hier, er wandert sehr viel und übernachtet jede Nacht in einer  Gîte oder einem Hotel. Dadurch hat er natürlich deutlich weniger Gepäck zu tragen als wir, denn er benötigt kein Zelt, keinen Schlafsack und trägt immer nur den Proviant, den er braucht, um bis zur nächsten Gîte zu kommen.
Wir essen vorzüglich zu Abend und verbringen einen, wenn auch kurzen, aber dennoch sehr unterhaltsamen Abend mit Luc, "dem Belgier", und gehen schon bald ins Bett. Wir sind sehr müde, der Tag war durchweg feucht und körperlich auch sehr anstrengend.

 

11.07.2017: Ruhetag am Col Bagargiak

Axel möchte noch einen Tag hier bleiben und ausruhen, denn die ersten beiden Tage waren anstrengend: wir sind über 36 km gewandert und haben fast 2.500 Höhenmeter gemacht. Die anderen Wanderer aus unserem Chalet laufen weiter.

Wir gehen in den kleinen „Supermarkt“, um für das Frühstück einzukaufen. Mit Glück bekommen wir Brot, das sollte man nämlich am Tag vorher bestellen, was wir auch gleich für den nächsten Tag machen.

Nach dem Frühstück und nachdem der Putzdienst da war, beziehen wir eins der beiden Doppelzimmer im Chalet und gönnen uns ein kleines Mittagsschläfchen.

Im Laufe des Vormittags hört es auf zu regnen, die Wolken lichten sich immer mehr und die Sonne kommt wieder hervor. Wir erkunden die Gegend und machen ein paar Fotos.

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(Am Col Bagargiak auf 1.327 müNN; die Täler liegen noch komplett im Nebel: Panorama aus 5 Hochformatbildern)

 

Gegen 15 Uhr beschließen wir, dass wir heute selbst kochen und gehen nochmal Richtung Supermarkt.

Auf der Terrasse vom Restaurant/Supermarkt treffen wir, wieder zufällig, auf Pam und Curtis. Wir alle freuen uns über dieses Wiedersehen.

Dann ist da noch ein junges englisches Paar, die eigentlich den HRP laufen wollten.

Der Haute Randonnée Pyrénéenne (HRP) ist der 3. Fernwanderweg durch die Pyrenäen und verläuft zumeist zwischen dem GR 10 und dem GR 11 in hochalpinem Gelände. Ein Wanderer hat uns mal erzählt, dass er den HRP weniger anstrengend empfindet, weil man bedeutend weniger Höhenmeter überwinden muss, als auf dem GR 10. Für uns kam dieser Weg aber nicht in Frage, weil man einige Klettersteige überwinden muss und Axel ja leider Höhenangst hat.

Die beiden Engländer haben den HRP abgebrochen, weil ihnen die Klettersteige auf dieser Strecke zu gefährlich waren und wollen jetzt auf dem GR 10 weiterlaufen.

Das Tal unten ist voll mit Wolken (sieht aus wie Schlagsahne). Wir gehen noch ein wenig spazieren und machen ein paar Fotos bevor wir zurück zur Hütte gehen. Diese ist inzwischen wieder voll belegt.

Zum Abendessen kochen wir uns Nudeln Bolognese und gönnen uns auch ein Gläschen Rotwein. Schließlich sind wir ja in Frankreich.

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Der Nebel treibt inzwischen vom Tal nach oben, dadurch entstehen sehr schöne Lichtstimmungen. Wir nehmen die Kamera und machen noch einen kleinen Spaziergang im Wald.
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Wir nehmen noch ein „Selbstportrait“ vor unserer Unterkunft auf, gönnen uns danach noch ein kleines Bierchen im Restaurant, danach noch eine Dusche und gehen um 21:30 ins Bett.

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