15.07.2017: 13. Wandertag: Von Sainte-Engrâce bis Pas d‘Azuns

 


15.07.2017: 13. Wandertag: Von
 Sainte-Engrâce bis Pas d‘Azuns

Statistik: 
Datum: 15.07.2017
Beginn: 08:22 Uhr
Ende: 20:19 Uhr
gelaufene Distanz: 18,3 km
Anstieg: 1.684 m
Abstieg: 594 m
Zeit in Bewegung: 07:51 h
Pausenzeit: 04:06 h

 

Als erstes eine Feststellung: Axels schnarchen hört sich am Hochzeitstag nicht anders an, als an anderen Tagen. Um 6:30 Uhr stehen wir auf, packen, frühstücken in der Gîte, gegen 8:20 laufen wir dann endlich wieder los, es ist noch neblig.

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Den Kamm da oben müssen wir heute vormittag erklimmen...

Es ist noch bedeckt, die Wolkendecke reißt aber hier und da auf, so dass wir auch mal wieder blaue Flecken im Himmel sehen können.
Unser erstes Etappenziel ist Arette-La Pierre-St.-Martin (1630m), was bedeutet, dass wir nur bis dort allein schon 1.000 Höhenmeter zu bewältigen haben. Dann mal los…

Zuerst muss noch das Zelt abgebaut und verstaut werden, das ist Axels Aufgabe.

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Durch die Arpidia Schlucht geht es aufwärts. Hier ist es ganz bezaubernd, wenn uns Elben begegnen würden, wären wir nicht überrascht. Dann beginnt ein Buchenwald, auf dem liegen viele, oft mit Moos bewachsene, Felsen. Durch das Blätterdach dringen viele Sonnenstrahlen.

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Unterwegs stoßen wir auf einen Brunnen und machen kurz Rast. Heike hat diesen Brunnen im Vorfeld schon in einem GR10-Video gesehen und freut sich, dass sie ihn wiedererkennt.
Dennoch ist es etwas ganz Anderes, das alles live zu erleben, als auf einem Video im Internet.

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Beim Erreichen der Baumgrenze ist schon wieder alles im Nebel verschwunden, das ist schon ein wenig frustrierend. Aber was will man machen, weiter geht’s.

Dann kommt doch noch die Sonne heraus und die Welt schaut gleich wieder viel freundlicher aus. Kurz unterhalb der Cabane d’Escuret-de-Bas (1325m) rasten wir und genießen die Sonne.

Über Pfade, die überwiegend durch Weidetiere, Kühe und Schafe entstanden sind, steigen wir weiter auf. Später beginnt dann ein breiter Schotterweg, der sich nach oben schlängelt. Der Weg ist hier etwas eintönig, zumal uns immer wieder Wolken die Sicht nehmen.

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Ja und dann, auf einmal, wir sind nicht mehr weit vom Col de La Pierre Saint-Martin entfernt, werden wir belohnt. Die Wolken geben die Sicht frei und präsentieren uns einen sehr schönen Ausblick auf die imposante Berglandschaft.

Auf einem schönen Plätzchen Wiese lassen wir uns erstmal für etwa eine halbe Stunde nieder und genießen den Blick auf den Gipfel von Anie und weiter hinein nach Spanien. Über den Col de La Pierre Saint-Martin, Übergang zwischen dem französichen Barétous und dem spanischen Roncatal, laufen wir weiter und erreichen die Passstrasse. Diesen Pass hat auch die Tour de France schon überquert, wir bestaunen die Strecke und fragen uns, wie man hier wohl mit dem Rad überhaupt nach oben kommen kann. Alle Achtung!

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Wir laufen ein Stück der Straße abwärts in Richtung Arette-La Pierre-Saint-Martin, dort liegt kurz oberhalb des Ortes die Refuge Jeandel (1670m). Hier kehren wir ein. Aus der ziemlich geringen Auswahl an Essen entscheiden wir uns für Brathering aus der Dose und essen Brot dazu. Das hört sich vermutlich nicht so gut an, ist aber eine Abwechslung und schmeckt uns sogar sehr gut. Nur der Kaffee, der ist enttäuschend, aufgewärmt in der Mikrowelle wirkt er nicht besonders auf Heikes Laune. Von der Terrasse aus haben wir einen schönen Blick auf das tolle Bergpanorama und auch auf den Ort. Arette-La Pierre-Saint-Martin sieht ziemlich hässlich aus, ein Skighetto, das in einer Schneelandschaft im Winter wahrscheinlich attraktiver wirkt. Im Sommer ist es fast menschenleer, dafür aber von sehr vielen Schafen bevölkert.
Wir packen zusammen und gehen hinunter in den Ort, in der Hoffnung, dass es dort vielleicht richtigen Kaffee gibt und haben Glück, eine einzige Bar ist geöffnet. Aufgemuntert ziehen wir weiter.

Blick von der Refuge Jeandel auf Arette-La Pierre-Saint-Martin
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Das Baskenland haben wir inzwischen verlassen und befinden uns jetzt in der Provinz Béarn. Zwischen St. Engrâce und Arette-La Pierre-St.-Martin befindet sich der Übergang zwischen den beiden Provinzen.

Über eine breite Schotterstraße, an einigen Liften vorbei, die im Sommer außer Betrieb sind, gehen wir durch eine durch den Skibetrieb arg verwundete Landschaft. Heike ist deshalb sehr traurig und freut sich, als wir diese „zivilisierte“ Gegend wieder verlassen.

Wir kommen in eine karge, chaotisch und unwirklich wirkende Landschaft aus Karstgestein.
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Es ist schon später Nachmittag, so dass wir uns schon Gedanken machen müssen, wo wir übernachten. In dieser bizarren, felsigen Landschaft ist es unmöglich ein geeignetes Plätzchen für unser Zelt zu finden. Wir fragen Wanderer, die uns entgegen kommen, wie lange wir brauchen, um hier durch zu kommen. Ihre Wegbeschreibung macht uns klar, dass wir uns beeilen müssen, um noch bei Tageslicht einen Zeltplatz zu finden. Zeit zum fotografieren bleibt uns daher leider mal wieder nicht, wirklich schade, denn die Gegend ist sehr reizvoll. Wir überlegen schon, dass wir zur Not im Schlafsack zwischen den Felsen übernachten müssen, Sorge bereitet uns auch, dass wir noch eine etwas schwierigere Passage mit einem kleinen Klettersteig überwinden müssen. Besonders Axel wird wegen seiner Höhenangst immer unruhiger. Da müssen wir jetzt aber durch.

Keine Chance, hier ein Zelt aufzustellen...
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Dann stehen wir vor dem Pas de l'Osque (1922m),
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und müssen eine ca. 8 m hohe, steile Felswand erklettern. Zum Glück ist ein dickes Drahtseil zum festhalten vorhanden. Heike klettert als erste los und schaut, ob es für Axel machbar ist. Sie will nochmal runter kommen, um den Rucksack von Axel zu holen, aber Axel schnauft noch einmal tief durch und klettert einfach los. Als auch er heil oben angekommen ist, machen wir eine kurze Pause und freuen uns, weil Axel seine Höhenangst immer besser im Griff hat.

Klettersteig direkt vor dem Pas de l'Osque
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Wir müssen noch weiter, es sind noch 1,1 km bis hinauf zum Pas d’Azuns (1873m).
Dort angekommen nehmen wir uns etwas Zeit, um das Panorama und die Aussicht auf den Pic d´Anie und auf einen Teil der Hochebene, Richtung des Tals von Lescun, zu genießen. Nach ein paar Fotos ...
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...drängt dann etwas die Zeit, inzwischen ist es schon kurz nach 19:30 Uhr. Das nächste Ziel ist die Cabane du Cap de la Baitch (1689 m), der Weg dorthin führt steil über lockeres Geröll und fordert noch einmal unsere Konzentration. Die Hütte wird im Sommer von Schäfern benutzt, wir sehen ein Stück oberhalb der Hütte ein junges Paar, das gerade die Schafe melkt. Ein Schild vor der Hütte bittet um Beachtung der Privatsphäre, außerhalb des Sommers ist die Hütte offen und kann von Wanderern benutzt werden.


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Wir gehen weiter, jetzt endlich über eine zwar felsige, aber auch viel mit Gras bewachsene Hochebene. Ca. 300 Meter unterhalb der Cabane finden wir ein schönes ebenes Plätzchen für unser Zelt und beschließen hierzubleiben. Nachdem wir unser Lager fertig aufgebaut haben, gönnen wir uns noch eine Dose Bier und genießen die Landschaft. Glücklich und zufrieden gehen wir schlafen.
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Um 4:15 wacht Axel auf und geht vors Zelt. Davon wird auch Heike wach und steht ebenfalls auf. Da stehen wir beide vor dem Zelt und sind völlig sprachlos ob dieser Naturkulisse. Wir sehen einen unglaublichen Sternenhimmel mit Halbmond. Das Sternen.-Mondlicht bescheint die hellen Felsen des Gebirges mit dem markanten Pic d`Anie. Minutenlang stehen wir einfach nur da und staunen über dieses Bild. Es hat sich sich tief in unser Gedächtnis eingebrannt und ist ein Moment, der unvergessen bleiben wird.

Im Nachhinein fragen wir uns manchmal, warum keiner von uns daran gedacht hat die Kamera zu holen. Vielleicht waren wir einfach zu fasziniert!?


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